Crossing Lines: Gute Unterhaltung ohne Zukunft

Braucht das deutsche Fernsehen wirklich noch eine Krimiserie? Man könnte meinen, die Nachfrage wäre durch die Unmenge an Formaten, die sich inhaltlich meist kaum voneinander unterscheiden, inzwischen längst gedeckt. Doch die Produzenten sehen das offenbar anders, und so präsentiert uns Sat1 mit „Crossing Lines“ am Donnerstagabend eine weitere Variation des altbekannten Themas. Kann das überhaupt funktionieren, oder ist der nächste Serienflop vorprogrammiert?

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Foto: facebook.com/crossinglinestv?fref=ts

„Crossing Lines“ könnte man als die internationale Antwort auf den neuen Serienboom aus den USA interpretieren. Die amerikanische NBC hat sich für die Serie nämlich mit dem französischen Sender TF1 und Sat1 zusammengetan, weitere Produktionsunternehmen aus der ganzen Welt sind an der Entstehung beteiligt. Die Pilotfolge stammt aus der Feder von „Criminal Minds“-Mastermind Ed Bernero. Auch beim Cast hat man schwere Geschütze aufgefahren und kann mit William Fichtner und Donald Sutherland gleich zwei hervorragende, international bekannte Schauspieler präsentieren. Das Budget für die erste Staffel mit zehn Folgen betrug insgesamt 30 Millionen Dollar, auch hier braucht man sich vor „Game of Thrones“, „Breaking Bad“ und Co. also nicht zu verstecken.

Und tatsächlich geht die Taktik einigermaßen auf: „Crossing Lines“ sieht verflixt gut aus, Inszenierung und Produktionsdesign bewegen sich auf hohem Niveau. Dass ein Großteil der Serie aus Kostengründen in Tschechien gedreht wurde, bemerkt man zu keiner Sekunde. Auch inhaltlich gibt es wenig auszusetzen, die Dialoge sind hervorragend geschrieben und die Thematik rund um EU und weltweite Strafverfolgung höchst aktuell, auch wenn hier noch Vertiefungsbedarf besteht. Leider ist die Handlung sehr konventionell geraten und für den Zuschauer zu wenig fordernd, doch das starke, hochspannende Finale entschädigt für einige kleine Leerlaufphasen. Schauspielerisch gibt es erwartungsgemäß wenig auszusetzen, die Zugpferde Fichtner und Sutherland überzeugen ebenso wie der französische Sänger Marc Lavoine als Anführer der Ermittlergruppe. Der Schwächste ist ausgerechnet der Deutsche Tom Wlaschiha, der mit seiner völlig konturlosen Figur aber vom Drehbuch auch kaum eine Chance erhält, sich zu profilieren.

Aber, so gut „Crossing Lines“ handwerklich auch sein mag, innovativ ist die Serie nicht. Solide, durchaus unterhaltsame Krimikost, aber eben auch nicht mehr. Kann man damit noch zum Zuschauer durchdringen? Der Auftakt ist von den Quoten her schon mal halbwegs gelungen, 2,68 Millionen Zuschauer bedeuteten 13,1% in der werberelevanten Zielgruppe – etwas über dem Senderdurchschnitt. Das muss für die Zukunft aber nichts heißen, denn in den USA brachen die Zuschauerzahlen im Verlauf der ersten Staffel um fast die Hälfte ein. Gut möglich, dass es hier in Deutschland ähnlich laufen wird, zumal der Sender entschieden hat, die Serie nicht in Doppelfolgen auszustrahlen, obwohl sich ein Fall immer über 90 Minuten Laufzeit erstreckt [Edit: Inzwischen hat Sat1 entschieden, doch jeweils Doppelfolgen zu senden]. Schon „Homeland“, das bei Sat1 ebenfalls im Spätprogramm anfangs starke Zahlen von über 16% lieferte, verlor zum Ende hin mehr als ein Drittel des Publikums.

Fazit:
Ist „Crossing Lines“ eine gute Krimiserie? Ja, definitiv. Braucht das deutsche Fernsehen „Crossing Lines“? Nein, definitiv nicht. Gute Unterhaltung bietet das Format allemal, auf Dauer etablieren wird es sich trotzdem nicht, weil ihm im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz die Innovationskraft und auch die Risikobereitschaft fehlt.

„Crossing Lines“ ist gute Unterhaltung, dreieinhalb von fünf Pfeffis auch. Prost!
35Pfeffis




Quoten laut quotenmeter.de

5 Gedanken zu „Crossing Lines: Gute Unterhaltung ohne Zukunft

  1. Crossing Lines läuft laut Angaben von TV Digital offenbar doch im Doppelpack. So ist es in dieser Zeitschrift auf jeden Fall angegeben. Die Fälle erstrecken sich nämlich nicht wie erwähnt oben über jeweils 90 Minuten. Am 29.8. laufen z.B. 2 Folgen mit den Titeln „Radioaktiv“ und „Die Jäger der Straße“. Ich persönlich finde die Serie recht gelungen, mal eine Abwechslung zu dem amerikanischen Einheitsbrei. Die Schauspieler nicht alle so glatt gebügelt wie in den meisten amerikanischen Serien, die oft nichts neues mehr zu bieten haben. Dass diese Serie in Amerika nicht so punkten konnte, ist auch logisch, da es sich hier um Kriminalfälle handelt, die in Europa angesiedelt sind und der durchschnittliche Amerikaner nicht unbedingt für etwas empfänglich ist, was über seinen Tellerrand hinausgeht. Ich denke schon, dass diese Serie ihre Anhänger finden und im Dschungel der Serien doch überleben wird.

    1. Da hast du Recht, danke für den Hinweis. War meines Wissens zunächst anders geplant, da hat man sich wohl vernünftigerweise umentschieden. Dass die Folgen unterschiedliche Titel haben hat bei mir auch für etwas Verwirrung gesorgt, tatsächlich ist es aber so, dass sie trotzdem einen einzigen Fall behandeln. Die erste Staffel besteht also aus fünf Fällen in zehn Folgen.

      Ansonsten: abwarten…

  2. Hi! Ich finde die Serie super! Ich hab die ersten Folgen nicht gesehen, bin erst seit der fünften Folge dabei. Aber trotzdem eine sehr gute Serie, vor allem weil es Grenzenübergreifent spielt! Ausserdem sind es alle überzeugende Schauspieler!!!!! Weiter so!!!!! Bin gespannt auf die anderen Folgen!!!!!! Wann wird die 2 Staffel ausgestrallt?

  3. Die Dreharbeiten zur zweiten Staffel haben bereits am 22. September begonnen. Ich freu mich jetzt schon riesig auf die neuen Folgen :)

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